
Industriekultur-Festival 2026
Der Stellenwert der Arbeit, Präzision, Disziplin - unser Industriekulturort weist auf eine Werte-Welt, die wir als Verein zeigen und bewahren wollen.
Programmpunkte
Fiktive Tagebücher
Fiktive Tagebücher von Zeitgenossen von Oelhey sowie markanten Industrie-Pionieren werden präsentiert und sind uns heute ein Wegweiser.
Maschinen-Vorführung
Vereinsmitglied Rüdiger Lehmann führt anschaulich vor, wie präzise und detailreich Manufakturarbeit von damals war.
Stationen der Begegnung
Interkultur ist unser Motto. Wer Interkultur versteht, weiß von den bereichernden Momenten, die sie uns schenkt.
Ausschnitte aus unserem Programm
Fiktive Tagebücher
Richard Hartmann (Vom Handwerker zum Maschinenkönig)
Aus den fiktiven Aufzeichnungen von Richard Hartmann*
21. September 1834 Unsere neuen Hallen wachsen stetig in die Höhe, und drüben am Zaun stehen die Nachbarn mit finsteren Mienen, um jede Fuge und jeden Balken missmutig zu beäugen. Sie haben den Aufwand nicht gescheut und eine Zeichnerin beauftragt, die mit demonstrativer Schürze und Kopftuch gekleidet, unseren Bauschutt-Abtransport festhält. Da sie selbst nicht anpacken können, haben sie den Magistrat und die Gewerbebehörde vorgeschickt, um uns mit Inspektionen und Paragraphen zu überziehen. Doch statt mich über die amtlichen Störenfriede zu ärgern, habe ich sie mir direkt an den großen Zeichentisch geholt und die vermeintliche Kontrolle als hocheffizientes Planungsgespräch für unsere kommenden Bauvorhaben genutzt. Im fachlichen Dialog mit den Beamten habe ich die Gelegenheit gleich beim Schopf gepackt, um unsere räumlichen Anordnungen zu optimieren und unseren Gewerbeschein um zusätzliche Berechtigungen für den Handel zu erweitern. Was als spitzfindige Reglementierung und Schikane begann, besiegelt nun amtlich und rechtlich abgesichert unsere neuen Einnahmequellen. Wer den Geist zu lenken weiß, macht selbst die Bremser der Umgebung zu den Architekten seines Erfolgs.
*Richard Hartmann war Geschäftspartner von George Oelhey, Erbauer der Industrieansiedlung Himmelmühle
August Borsig (Maschinenbau-Pionier)
Aus dem fiktiven Tagebuch von August Borsig
23. Februar 1834 Ein Kritiker aus der Presse schrieb, unsere Werkstätten seien zu laut und zu ehrgeizig für die ruhige Berliner Vorstadt. Ich habe ihm geantwortet: Lassen Sie uns ehrlich sein: Ihr besorgter Einwand offenbart nur den gewohnten Rückstand des ewig Zaudernden, der das Getöse der Tat lieber aus sicherem Abstand kritisiert, statt selbst Hand anzulegen. Klein und fein – das mag das Motto jener sein, die im Schatten der Geschichte verharren wollen. Fortschrittliche Köpfe scheren sich jedoch nicht um den Beifall der Stubenhocker; solche Zauderer meidet man, um nicht selbst im Kleinmütigen stecken zu bleiben. Während Sie noch über die Dezibel des Aufbruchs lamentieren, gießen wir bereits die Schienen für morgen. Wir lassen uns von Zweiflern nicht bremsen.
Aus den fiktiven Tagebüchern der Hammerherren von Carlsfeld
14. September 1834 Seit Wochen rennen wir in Carlsfeld gegen die tauben Wände des Gemeindeamtes und die ängstlichen Bedenken der hiesigen Stadträte an, die jedes dringend notwendige Ausbauprojekt aus bloßer Mutlosigkeit verschleppen. Sie fürchten den Lärm des Fortschritts mehr als den wirtschaftlichen Ruin unseres Tals und glauben, mit Paragraphen und Schildern den Wandel aufhalten zu können. Doch wer den Hals in den Sand steckt, wenn die Zukunft ruft, den lassen wir schlicht hinter uns. Ich habe heute die Verbindung zu den fortschrittlichen Kaufleuten aus Leipzig geknüpft, um den Weg ohne die amtlichen Bremser zu gehen. Wenn die Obrigkeit den Anschluss verpasst, schaffen wir uns mit neuen Partnern die Bahnen, die der Aufbruch verlangt.